Lebensmittel, Zeitung kaufen, Nachbarn treffen, schwarzes Brett lesen, hören was es Neues gibt, wen es neu gibt, ….. ist Nahversorgung!

Den Dorfläden und Dorftreffs wird wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Hierbei stehen bei der Planung und Umsetzung natürlich die ökonomischen Bedingungen und Notwendigkeiten im Focus, die gesellschaftliche und soziale Dorfentwicklung verfolgt, wie sie zum Beispiel von Dr. Armin Kuphal in der so genannten „Mitmacherbroschüre“ des Saarländischen Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz skizziert wird, auch andere Ziele. Dorfglück!

Dr. Armin Kuphal, Soziologe

Hier ein kleiner Ausschnitt betreffend die Dorfläden aus der Broschüre „Mitmacher gesucht – Leitfaden für die Dorfentwicklung“. Herausgegeben vom Ministerium für Umwelt und Verbrauchers des Saarlandes.

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Der Ökonom kann ziemlich genau vorrechnen, wie hoch der Umsatz pro Kopf im Dorf bleiben muss, damit ein Laden überleben kann. „Pro Kopf“ versteht sich hier nicht als eine rein statistische Größe, sondern als ernst gemeinte Aufforderung. Aus Sicht einer gesellschaftlichen Dorfentwicklung besteht der einzige Ausweg darin, dass die höheren Preise bzw. der für den Fortbestand eines Ladens notwendige Umsatz als eine gemeinsame Last verstanden wird, die als solche von der gesamten Bevölkerung zu tragen ist. Wenn sich alle (sehr viele) beteiligen, tut diese Last keinem richtig weh, rettet aber in der Summe das Geschäft. Ein Dorf, das einen Laden will, muss ihn TAT-SÄCHLICH, IN-DER-TAT wollen!

Es gilt wieder das Gesetz von der sozialen Verteilung der Lasten: Es ist besser, alle tragen ein wenig, als dass wenigen zugemutet wird, alles zu tragen. Die eigentliche Aufgabe im Wege der gesellschaftlichen Dorfentwicklung besteht darin, diese Einsicht bezüglich des Dorfladens immer wieder zu verbreiten und ihr im Gemeinwesen eine gewisse soziale Geltung zu verschaffen. Am Ende erweist sich das Überleben eines Ladens gerade nicht als das Ergebnis wirtschaftlich-rationalen Handelns, sondern rührt aus einer sozialen Tatsache, nämlich dem gemeinsamen Handeln, Denken und Fühlen. Gesellschaftliche Dorfentwicklung – das zeigt sich immer wieder – ist eine neue Form der sozialen Verständigung, wie anerkannte Lasten geteilt werden. Kommt diese Form der Lastenteilung nicht zustande, hat sich der Dorfladen in der Tat überlebt.